Geschichte der Städte- u. Kreis-Patenschaft

Den folgenden Bericht darf ich mit freundlicher Genehmigung durch Herrn Prof. Dr. Paul Leidinger für Sie veröffentlichen
H. Pieper, Warendorf, Januar 2008 




Reichenbach und Warendorf
Gründung und Entwicklung einer Städte-
und Kreis-Patenschaft
von Prof. Dr. Paul Leidinger

(erschienen im Münsterland Jahrbuch des Kreises Warendorf 1996,
„Heimatvertriebene und Flüchtlinge im Kreis Warendorf 1945/46“,
Herausgeber: Kreisheimatverein Beckum-Warendorf)

Für die Eingliederung der Flüchtlinge und Vertriebenen in ihre neue Heimat waren die seit 1950 geschlossenen Patenschaften von westdeutschen Städten, Kreisen und Ländern zu ostdeutschen in den nach 1945 abgetrennten Gebieten von besonderem Belang.
Diese Patenschaften gewährten den aus ihrer angestammten Heimat Geflüchteten und Vertriebenen ein ideelles und in vielem auch reales Heimatrecht. Es ermöglichte den durch die Willkür der Zeit und Vertreibung in alle Richtungen zerstreuten Bewohnern ostdeutscher Städte und Kreise, sich auf einen neuen Zentralort hin zu orientieren. Damit bot er ihnen die Möglichkeit der Kontaktaufnahme untereinander, des Wiedersehens und auch der Pflege des heimatlichen Brauchtums und Bewusstseins. In diesem Zusammenhang entstanden Patenschaftskomitees, Vereine, zahlreiche Publikationsorgane, vielfach auch eigene ostdeutsche Heimatstuben und Museen, die zugleich Orte der Begegnung zwischen Ostdeutschen, aber auch mit Westdeutschen waren und neben der Traditionspflege einem fruchtbaren Kulturaustausch dienten.

Die Gründung ostdeutscher Patenschaften
Warendorf gehörte nach Goslar (13.08.1950 mit Brieg) und Köln (13.10.1950 mit Breslau) zu den ersten deutschen Städten, die eine solche Patenschaft schlossen, und zwar anlässlich des 750jährigen Stadtjubiläums am 28. April 1951 mit der fast so alten schlesischen Kreisstadt Reichenbach am Fuße des Eulengebirges. Noch bevor der Westfälische Heimatbund im Sommer 1952 die Zusammenarbeit zwischen west- und ostdeutschen Heimatfreunden zu organisieren begann und die kommunalen Spitzenverbände am 15. 12. 1953 Richtlinien für ostdeutsche Patenschaften herausgaben, war also die Stadt an der Ems bereits dem Ruf der Zeit gefolgt, den vertriebenen ostdeutschen Mitbürgern eine neue Heimstätte und das Bewusstsein der Verbundenheit und Anerkennung zu geben.
Waren Flüchtlinge und Vertriebene 1945/46 vielfach in der zugewiesenen neuen Heimat als unwillkommene Fremde angesehen worden, die oft mit Zwangseinweisungen in die ohnehin beschränkten Wohn- und Lebensverhältnisse der ersten Nachkriegszeit eingegliedert werden mussten, so setzte sich zunehmend ein größeres Verständnis un die Erkenntnis durch, dass neben den Kriegstoten gerade diese deutsche Bevölkerungsgruppe durch den Verlust ihrer Heimat und aller damit verbundenen ideellen und materiellen Werte das größte Opfer des Krieges zu tragen hatte.

Im Münsterland waren gerade die Keise Beckum und Warendorf infolge der Verschonung von größeren Kriegsschäden nach 1945 zu einem Zentrum der Flüchtlingsaufnahme geworden. Hier wurden in Warendorf und Ahlen sogenannte Auffanglager errichtet, in die mit Sonderzügen aus Mittel- und Ostdeutschland zwischen Oktober 1945 und September 1946 ca. 150.000 Evakuierte, Flüchtlinge und Ostvertriebene verbracht wurden. So kamen nach Warendorf in rund 50 Sonderzügen mit je 350 bis 1.700 Personen über 50.000 Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene, die hier zumeist 1-2 Tage und Nächte untergebracht und versorgt wurden, um sie dann in andere Kreise und Orte des Regierungsbezirkes Münster weiterzuleiten. Die Unterbringung erfolgte dabei zumeist in Pferdeboxen des Landgestüts, die seit Mai 1945 als Sammellager für Fremdarbeiter und Kriegsgefangene gedient hatten und zu diesem Zweck notdürftig mit Betten und Strohfüllung ausgestattet worden waren.

Ähnlich wie in Warendorf war auch Ahlen Auffanglager von November 1945 bis August 1946 für fast 95.000 deutsche Evakuierte, Flüchtlinge und Ostvertriebene geworden, die kurzfristig in öffentlichen und privaten Räumen der Stadt untergebracht und versorgt wurden (vgl. Den Bericht von Alfred Smieszchala in diesem Band), um von hier gleichfalls weiter verteilt zu werden.

Ein großer Teil dieser Personen verblieben dabei in den Kreisen Beckum und Warendorf, wo sie den einzelnen Städten und Gemeinden zur dauerhaften Unterbringung zugewiesen wurden. Das ist ein Kapitel, dass einer eigenen Untersuchung bedarf.

Mit den Sonderzügen sind ab April 1946 auch zahlreiche Menschen aus Stadt und Kreis Reichenbach nach Warendorf gekommen. Sie fanden hier und in der näheren Umgebung Aufnahme, so dass damit auch eine persönliche Basis für eine frühe Patenschaft der Emsstadt mit der Stadt im schlesischen Eulengebirge gegeben war. Aber die Realisierung dieser Patenschaft hing von der besonderen Gunst der Stunde ab, dem 750jährigen Stadtjubiläum, das Warendorf 1951 beging, und auch von Persönlichkeiten auf beiden Seiten, die sich der Idee einer Patenschaft mit entschiedener Tatkraft annahmen. Zu diesen gehörte auf ostdeutscher Seite vor allem der aus Ottmachau in Schlesien stammende, damals bereits im Ruhestand lebende Oberstudienrat Solf, der schon Ende des Jahres 1950 bei der ersten Tagung einer „Ostdeutschen Arbeitsgemeinschaft“ im Westfälischen Heimatbund in Bielefeld die Patenschaft westfälischer Städte mit ostdeutschen angeregt hatte und in diesem Sinn auch in seiner neuen Warendorfer Heimat tätig wurde. Diese Anregung fand bei dem damaligen Warendorfer Bürgermeister Heinermann und Stadtdirektor Dr. Eising bereitwillige Aufnahme.

Die Patenstadt Reichenbach
Schnell war auch die Wahl auf Reichenbach gefallen, das wie Warendorf eine alte Textil- und eine Kreisstadt von ähnlicher Größe und Struktur war, allerdings mit einer sehr viel progressiveren Entwicklung seit dem 18. Jahrhundert durch das Textilgewerbe als in der Emsstadt. Schon 1800 zählte die erst um 1250 neben einem slawischen Siedlungsvorgänger planmäßig angelegte ostdeutsche Stadt mit 8.700 Einwohner mehr als doppelt so viele Bürger wie Warendorf. Ihr Wohlstand, der in dem ausgedehnten Marktplatz , dem „Ring“, mit dem mächtigen Rathaus und den ehemals prachtvollen Bürgerhäusern zum Ausdruck kommt, basierte – wie in Warendorf – auf der Leinenerzeugung. In der Reformation war Reichenbach überwiegend protestantisch geworden, jedoch unter österreichischer Herrschaft anschließend gewaltsam rekatholisiert worden. Als die Stadt nach dem Siebenjährign Krieg 1763 mit Schlesien preußisch wurde, pendelte sich eine friedliche Verständigung zwischen den Konfessionen in der Stadt ein, die vorher wechselseitig mit gewaltsamer Vertreibung und Tod gegeneinander agiert hatten.
Zeugnis für die Überwindung des harten Konfessionsstreites ist ein Wort des früheren evangelischen Pastors Weinhold von 1842, das heute in ähnlicher Weise auch über der Versöhnung zwischen Polen und den vertriebenen Deutschen stehen könnte:
„Wer da fragen wollte, wie es um den Frieden zwischen den verschiedenen Glaubensgenossen stehe, ob der alte Druck vergessen, der alte Zwiespalt ausgeglichen sei – der vernehme die Antwort: Wir denken an den alten Kampf nicht mehr, weil wir wissen, dass beide Parteien gutzumachen und zu vergessen haben, wir leben in Eintracht und tiefem Frieden. ... Wer den Frieden unter uns stören wollte, der käme mehr als ein Jahrhundert zu spät und würde mit seinem finsteren Treiben sich am falschen Orte befinden. Wir wollen keinen Glaubensstreit, wir wollen in Eintracht wandeln.“

Ende des 18. Jahrhunderts und in den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813 spielte Reichenbach als Zentrum der gegen Napoleon kämpfenden Russen und Preußen eine bedeutende Rolle. Die Stadt beherbergte das Hauptquartier der Russen, Zar Alexander I. residierte im benachbarten Peterswaldau, der preußische König Friedrich Wilhelm III. in Landeck und Neudorf, sein Staatskanzler Hardenberg in Niederpeilau, alle bei Reichenbach. Am 27. Juni 1813 wurde in der Stadt nach langwierigen Verhandlungen mit Habsburg das Bündnis zwischen Russland, Österreich und Preußen geschlossen, das zur Niederwerfung Napoleons 1814 und 1815 geführt hat. Auch der Freiherr von Stein und eine Reihe deutscher Freiheitskämpfer, darunter der Dichter Theodor Körner, weilten damals in Reichenbach. Die Stadt beherbergte zeitweise über 4.000 verwundete russische Soldaten, daneben gefangene französische Offiziere. Fast einen Sommer lang war sie 1813 zu einem Hauptort Europas aufgestiegen, in der sich in diplomatischen Verhandlungen das Schicksal des europäischen Kontinents entschied.
Für die Bürger Reichenbachs war das mit erheblichen Belastungen verbunden, an denen sie noch später schwer zu tragen hatten. Aber die Stadt konnte sich danach als Mittelpunkt eines ländlichen Kreises in schneller Weise entwickeln und auch kulturell auf das umliegende Land ausstrahlen. Die Gymnasien in Reichenbach und Warendorf standen seit etwa 1875 in einem Austausch ihrer Jahresprogramme, ohne diese Kontakte jedoch zu vertiefen. Schon nach dem Ersten Weltkrieg bediente sich die Firma Brinkhaus in Warendorf zur Modernisierung ihrer Produktion eines Reichenbacher Webers. Es gab also lose Verbindungen schon vor 1945 zwischen der schlesischen Stadt am Fuße des Eulengebirges und der Emsstadt in Westfalen.

Evakuierung, Flucht und Vertreibung
1945 – 1947
Als Anfang des Jahres 1945 die russische Front bis zur Oder vorrückte und das nur 50 km von Reichenbach entfernt liegende Breslau zur Festung erklärt wurde, begann die Zwangsevakuierung der Zivilbevölkerung aus Reichenbach wie aus den anderen Städten Schlesiens in rückwärtige Gebiete bis nach Bayern durch die damals noch allgegenwärige NS-Partei. Mit der russisch-polnischen Besetzung der Stadt Ende April/Anfang Mai kehrten die meisten der Evakuierten in ihre Heimatorte zurück in der Hoffnung, in ihrer angestammten Heimat auch unter den veränderten Bedingungen der Zeit verbleiben zu können, obwohl ihre Häuser und Wohnungen, ihr Besitz beschlagnahmt waren und ihnen nur ein vorläufiges Bleiberecht unter zumeist entwürdigenden Umständen zugestanden wurde. Zahlreiche Zeitzeugenberichte künden von den damaligen Umständen. ...

Ab April 1946 traf dann auch die Bevölkerung von Stadt und Kreis Reichenbach die Vertreibung. In mehreren großen Aktionen wurde die Bevölkerung strassenweise zu Massentransporten befohlen, die am 7. April 1946 begannen und im August 1946 endeten. Nur ein kleiner Teil der über 80.000 Einwohner von Stadt und Kreis Reichenbach konnte in der Heimat verbleiben. Die übrigen wurden in mehreren Zugtransporten in geschlossenen und offenen Bahnwaggons mit bescheidener Habe in Säcken über die Oder-Neiße-Linie in die damalige Sowjetische Besatzungszone verbracht und von hier zu verschiedenen Aufnahmelagern in die Westzonen. Dabei wurden ehemalige Familien, Verwandtschaften und Nachbarschaften völlig willkürlich durch die Massenaustreibung zerrissen, und es dauerte teilweise bis in die heutigen Tage, dass Menschen, die damals getrennt wurden, sich wiederfanden.

Die Patenschaft mit Warendorf 1951
In diesem Zusammenhang gewannen die Patenschaften westdeutscher Städte und Gemeinden ihre besondere Funktion. So wurde Warendorf durch die am 28. April 1951 vollzogene Patenschaft zum Orientierungspunkt für die verstreut in Deutschland untergekommenden Reichenbacher aus Stadt und Kreis. Die damals von Warendorf aus erreichbaren Männer der ehemaligen Reichenbacher Stadt- und Kreisverwaltung, Bürgermeister Dr. Schönwälder und Landrat Dr. Hübner, die Pfarrer beider Konfessionen, Superintendent Helmuth Bunzel und Geistlicher Rat Heising, und andere ehemalige Bürger Reichenbachs nahmen das Anerbieten der Emsstadt mit großer Dankbarkeit an. Sie sahen in der Patenschaft „nicht nur eine liebenswürdige“ Höflichkeitsform, sonder ein echtes innerliches Mitempfinden mit den Bürgern der schlesischen Stadt und ihrem harten Schicksal. Dies drückt die Patenschaftsurkunde der Stadt Warendorf vom 28. April 1951 aus, die daher im Wortlaut hier abgedruckt werden soll:
„Als gewählte Vertreter der gesamten Bürgerschaft bekennen wir uns in Dankbarkeit gegen Gott, der unsere Stadt vor den Zerstörungen des Luftkrieges bewahrt und uns die Heimat erhalten hat, feierlich zur Verpflichtung, den deutschen Brüdern und Schwester, die durch die Folgen des letzten Krieges zu uns gekommen sind, in wahrer Freundschaft zu begegnen, sie als gleichberechtigte Mitbürger zu achten und ihnen bei uns eine neue Heimat zu schaffen. Um dieser Verpflichtung sichtbaren Ausdruck und die Möglichkeit praktischer Bestätigung zu geben, übernimmt die Stadt Warendorf hiermit die Patenschaft über die Stadt Reichenbach am Eulengebirge, die nach Alter, Größe, Zusammensetzung der Bürgerschaft und wirtschaftlicher Struktur unserer Stadt ähnlich ist und deren Bürger in besonders großer Zahl in Warendorf Aufnahme gefunden haben.
Die Stadt Warendorf wird nach Kräften die Bürger der Stadt Reichenbach in ihren Bemühungen unterstützen, ihre Zusammengehörigkeit zu erhalten und zu vertiefen, das geistige und kulturelle Erbe der Stadt Reichenbach zu bewahren und zu pflegen.
Die Stadt Warendorf wird alle Maßnahmen fördern, die geeignet sind, zwischen den Bürgern der beiden Städte das Gefühl einer wahren menschlichen und freundschaftlichen Verbundenheit zu fördern. Sollte der Tag kommen, an dem die Reichenbacher Bürger in ihre Stadt zurückkehren können, so wird die Stadt Warendorf alle Möglichkeiten prüfen, mit Rat und Tat die Reichenbacher Bürger bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, ihre Stadt mit neuem Leben nach guter deutscher Art zu erfüllen. Möge Gott unser Vorhaben segnen!“

In der damals räumlich kleinen Stadt Warendorf (ohne die ehemals selbständigen Gemeinden Gröblingen, Velsen, Dackmar, Vohren, Freckenhorst, Hoetmar, Milte und Einen, die erst im Zuge der kommunalen Neuordnung 1969 und 1975 mit der Emsstadt zusammengeschlossen wurden) lebten 1951 15.498 Bürger. Diese gliederten sich in:
12.275 Einheimische (79,2%)
2.011 Ostflüchtlinge und –vertriebene (12,98%)
1.116 Evakuierte (7,2%)
96 Ausländer (0,62%)

Von ihnen waren 7.094 männlich, 8.404 weiblich, 13.042 katholisch (84,15%), 2.304 evangelisch (14,87%), 152 ohne Angabe einer Religion (0,98%).

Unter den Ostflchtlingen und –vertriebenen nahmen die Schlesier mit 795 (39,55%) den ersten Platz ein, gefolgt von Ostpreußen 580 (28,58%), Westpreußen 134 (6,76%), Pommern 113 (5,62%), Wartheland und Ostbrandenburg 93 (4, 63%), Sudetenland 63 (3,12%), und Sonstigen 233 (11,59%). Die Schlesier stammten überwiegend aus Stadt und Kreis Reichenbach.

Die Entwicklung der Patenschaft
1951- 1996

Die geschlossene Patenschaft war Anlaß, dass sich nachgehend in Warendorf ein Patenschaftskomitee begründete, das die Pflege und Ausgestaltung der Patenschaft sich angelegen ließ. Hauptaufgabe war vor allem die Organisation eines Heimattreffens für Flüchtlinge und Vertriebene aus der Stadt und den etwa 40 Orten des Kreises Reichenbach. Es fand in Verbindung mit dem „Tag der Heimat“ am 2. und 3. August 1952 in Warendorf statt und wurde – trotz der Ungunst der Nachkriegsjahre – von etwa 4.000 Bürgern aus Stadt und Kreis Reichenbach besucht.

Aus Anlaß dieses Treffens übernahm der Kreis Warendorf am 2. August 1951 die Patenschaft auch über den Kreis Reichenbach, der mit ca. 85.000 Einwohnern die doppelte Bevölkerung wie der Kreis Warendorf zählte.

Das 1. Reichenbacher-Treffen war auch Anlaß für die Gründung des „Kreis-Reichenbacher-Vereins“, die gleichfalls vom Patenschaftsausschuß vorbereitet und mit der Gründungsversammlung in Warendorf am 5. September 1953 mit 96 Teilnehmern aus 17 verschiedenen Orten des Kreises Reichenbach vollzogen wurde. Sein 1. Vorsitzender wurde der bereits im 78. Lebensjahr stehende um Reichenbach hoch verdiente ehemalige Bürgermeister Schönwälder (+ 1961). Der Verein übernahm fortan die Organisation der alle zwei Jahre von 1952 an stattfindenden „Reichenbacher-Treffen“ in Warendorf. In seiner Nachfolge erstand am 3. Juni 1989 der „Heimatbund Kreis Reichenbach /Eulengebirge“, der seitdem die Organisation der Reichenbacher Treffen fortführt.

Ein großes Verdienst für den Aufbau und die Pflege des Zusammenhalts unter den Reichenbachern kommt dem im August 1952 von Ferdinand Ludwig begründeten und von der Familie Ludwig bis 1988 herausgegebenen Heimatblatt „Hohe Eule“ zu, das – seit 1988/89 vom Verlag Helmut Preußler in Nürnberg betreut – bis heute ein zentrales, elfmal im Jahr in mehreren tausend Exemplaren Auflage erscheinendes Organ für die ehemaligen Reichenbacher Bürger ist. Neben aktuellen Familiennachrichten bringt es vor allem Beiträge zur Geschichte und Kultur der alten Heimat, aber auch Berichte übe die verschiedenen Heimattreffen und Heimatbesuch, die seit 1956 wieder möglich waren.

Stellen die „Reichenbacher-Treffen“ in Warendorf die zentrale Begegnung für Stadt und Kreis Reichenbach dar, so gibt es daneben noch eine Reihe weiterer spezieller Ortstreffen einzelner Kreisgemeinden an anderen Orten, so der Steinseifersdorfer (u.a.) in Heidmühle (Kr. Friedland), wo eine 1725 in Schweidnitz gegossene Glocke aus Steinseifersdorf 1985 im Glockenturm der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche eine neue Wirkungsstätte fand, ferner der Jordansmühler (u.a.) in Versmold und Kirchenlamitz (Bayern), der Girlachsdorfer (u.a.) in Westgroßefehn/Ostfriesland, der Heidersdorf (u.a.) in Gifhorn, der Peterswaldauer in Iserlohn, der Bertholsdorfer und Harthaue in Bad Sassendorf u.a. .

Von der Patenschaft zur Patnerschaft
Es wäre einer Forschungsaufgabe wert, neben Flucht und Vertreibung auch einmal die Bemühungen um den Aufbau und die Pflege von Patenschaften, von Heimatbegegnungen und Kultureinrichtungen im ostwestdeutschen Zusammenhang zu erfassen und in ihrer Bedeutung für die Integration der Ostflüchtlinge und der Ostvertriebenen in der neuen Heimat zu würdigen. 1965 bestanden in Westfalen insgesamt 21 Patenschaften mit ehemaligen ostdeutschen Städten, Gemeinden und Kreisen, davon 17 mit solchen in Schlesien, je zwei mit solchen in Ostpreußen und Pommern. Vieles ist von diesen Patenschaften bewirkt worden, um das Los der Vertreibung und das Einleben in die neue Heimat gerade in der ersten Nachkriegszeit zu erleichtern und Kontakte zu ermöglichen. Zu den Diensten der Patenschaften gehört bis heute die Gratulation von Altersjubilaren, der Aufbau und die Pflege ostdeutscher Heimatstuben und –museen, die Bewahrung ostdeutscher Geschichte und Tradition, die Erinnerung auch an die Gefallenen und Kriegstoten Ostdeutschlands.
Daneben aber steht seit der politischen Wende 1988/90 im ehemaligen Ostblock, die Freizügigkeit des Verkehrs wieder ermöglicht, die verstärkte Hinwendung und Aussöhnung mit den Ländern Ostmitteleuropas. Manche westdeutsche Städte haben ihre ostdeutschen Patenschaften inzwischen zur Partnerschaften mit den ehemals ostdeutschen Städten, Gemeinden, und Kreisen erweitert. So hat die Gemeinde Bischofsheim (bei Rüsselsheim, Main) inzwischen eine Partnerschaft mit der heute polnischen Stadt Dzierzoniów (=Reichenbach im Eulengebirge) geschlossen. In einem weiter fortschreitenden freien Europa können und müssen viele der heute noch beklagten Probleme im Verhältnis von Deutschen und ihren östlichen Nachbarn ihre versöhnliche und zufriedenstellende Lösung finden.

Literaturhinweise:
Hasse, Erich: Chronik der Stadt Reichenbach im Eulengebirge, Reichenbach 1929
Bunzel, Hellmuth: Reichenbach im Eulengebirge. Gemeinde- und Heimatbuch der
evangelischen Kirchengemeinde, Goslar 1950
Schaetzke, Viktor: Vor hundert Jahren. Leben und Treiben in Reichenbach und Umgebung
während der Befreiungskriege, Reichenbach o.J. (1913)
750 Jahre Warendorf – Stadt an der Ems, Warendorf 1951
Enden, Bernhard: Das Kriegsgeschehen in Schlesien, Januar bis Mai 1945, in: Schlesien Jg.
30, 1985, S.38-52 und 97 – 112
Blumenwitz,Dieter: Lokale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf der Grundlage des
deutsch-polnischen Vertragswerkes, Bonn 1994
Mohlek, Peter: Zur Rechtlage der deutschen Minderheiten in Osteuropa, in :Forum für
Kultur und Politik, Heft 7, Bonn 1993, S 3-7; vgl. zu Polen ebd. auch S.
38-39
Krzywanska, Anna: Dzierzoniów, Wrocaw u.a. 1984
(Seidel, Erna): Reichenbach (Eulengebirge), Tagebuchaufzeichnungen vom Kriegsende
1944 bis April 1946, hg. Von Manfred Ludwig, Warendorf 1983
Hohe Eule. Heimatblatt für Stadt und Kreis Reichenbach (Eulengebirge).
Unabhängige Zeitschrift zur Erhaltung und Vertiefung heimatlicher
Verbundenheit, Jahrgang 1, 1952, - 37, 1988 (Warendorf), Jahrgang 38,
1989 ff. (Nürnberg)
Leidinger,Paul: 25 Jahre Patenschaft Reichenbach-Warendorf, in : An Ems und Lippe
1976, S 101-106 (= Warendorfer Schriften 6/7, 1977, S. 160-164)
ders.: Warendorfs Patenschaft Reichenbach um 1800, in: An Ems und Lippe
1975, S 103-104
ders.: Reichenbach vor 100 Jahren, ebd.1977, S. 78-79
Schöneich, Ludwig: 25 Ost-West-Brückenschlag, ebd. 1077, S 46-49
Günzel, Erna/Buchholz,Heinz: Die Heimatvertriebenen in Ahlen, Ahlen 1993
Erler, Rolf: Städtepartnerschaft Bischofsheim-Reichenbach, in Hohe Eule 40, 1992,
Nr. 474, S.8

Homepage aktuell
 
Infos zu weiteren Orten im ehemaligen Kreis Reichenbach, Eulengebirge:

www.heimatbund-reichenbach.de
www.kreis-reichenbach.de
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Das Dorf
 
Es bestand aus den sechs Gemeinden Nieder-Peilau, Nieder-Mittel-Peilau, Mittel-Peilau, Ober-Mittel-Peilau, Ober-Peilau I und Ober-Peilau II. Neben Ober-Peilau II lag die Kolonie Gnadenfrei der Brüdergemeine.
1934 Eingemeindung; es entstehen die Gemeinden Peilau und Gnadenfrei (Ober-Peilau I und II, sowie Ober-Mittel-Peilau kommen zur Gemeinde Gnadenfrei).
Die Rittergüter
 
Der Schlösselhof

Der Niederhof

Das Gut Mittel-Peilau, bestehend aus dem Roten Hof und dem Weißem Hof
Die Kirchen
 
Die Katholische Kirche, genannt "weiße Kirche"
Sie steht auf einer Anhöhe in Nieder-Mittel-Peilau u. ist eine schöne, schlichte Dorfkirche. Nach der Reformation war sie etwa 100 Jahre evangelisch.

Die Evangelische Kirche, genannt "rote Kirche"
Friedrich der Große wurde am 17. August 1762 nach der Schlacht am Fischerberg von Peilaus Bewohners um Rückgabe ihrer Kirchen oder Erbauung einer neuen gebeten. Er sagte es ihnen zu, aber Preußen fehlten die finanziellen Mittel.
1840 schenkte Friedrich Wilhelm III. dem Ort 14878 Taler für den Bau der Kirche. Eingeweiht wurde die Rote Kirche am 18. Juni 1845.
 
aus: Vergangenheit und Gegenwart von Peilau-Gnadenfrei von Richard Schuck, Kommissions-Verlag Herge und Güntzel (Paul Wiese), Reichbach i. Schl. 1911


"Peilau ist ein sehr großes langgestrecktes Dorf im Kreise Reichenbach an der Eule. Es ist ein sogenanntes Straßendorf. Nur durch die Kolonie Gnadenfrei und in Ober-Peilau I im Zuge der verlängerten Bahnhofsschaussee sieht der Ort wie eine ländliche Stadt aus. Das Dorf beginnt fast am Dirsdorfer Walde und endet dicht vor der Stadt Reichenbach. Der Peilebach begleitet den zirka 12 km langen Ort. Das Wasser gibt demselben höchst malerische Punkte, wie am Gladisteiche. Auch in Mittel- und Nieder-Peilau findet der Wanderer Stellen, welche in ihrer Anmut einen hohen Reiz gewähren..."
 
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